18.06.2026

TLM-Jahresempfang 2026

Veranstaltungen

Eine Frau und zwei Männer lächeln in die Kamera

Dr. Ute Zacharias, Minister Stefan Gruhner, Jochen Fasco (JPG, Copyright Wolfram Schubert)

Jahresempfang der TLM: Demokratie, Medienwandel und Künstliche Intelligenz im Mittelpunkt

Rund 200 Gäste am 16. Juni beim Jahresempfang im Erfurter Kressepark

Die Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) hat am 16. Juni 2026 zu ihrem Jahresempfang eingeladen. Rund 200 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Medien, Bildung, Medienwirtschaft, Gesellschaft und Forschung aus Thüringen und ganz Deutschland folgten der Einladung. Dies ist ein deutliches Zeichen für die wachsende Bedeutung der Medienregulierung in Zeiten tiefgreifenden digitalen Wandels.

35 Jahre TLM kein Grund zur Selbstgefälligkeit
TLM-Direktor Jochen Fasco eröffnete den Abend mit einem Blick auf das Jubiläumsjahr: Die TLM wurde 1991 gegründet und feiert in diesem Jahr ihr 35-jähriges Bestehen. Für Fasco ist das kein Anlass zur Rückschau, sondern ein Auftrag für die Zukunft: „35 Jahre sind kein Ruhekissen, im Gegenteil, es ist ein Auftrag, Entwicklungen früh zu erkennen, Klartext zu sprechen und Schutz und Vielfalt in den Vordergrund zu stellen.“

Fasco würdigte auch das Thüringer Medienbildungszentrum der TLM (TMBZ), das in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiert. An den Standorten Erfurt und Gera werden im TMBZ digitale Kompetenzen an Menschen aller Altersgruppen vermittelt. Das TMBZ ist bundesweit eine nahezu einzigartige Einrichtung der Medienbildung. 

Mit Blick auf die aktuelle Medienlandschaft zeichnete Fasco ein eindringliches Bild: Journalismus werde immer schwerer finanzierbar, die Meinungsmacht verlagere sich auf globale Plattformen wie Google, YouTube, Meta und TikTok, die Werbeeinnahmen regionaler und lokaler Medien abzögen und mit emotionalisierenden Algorithmen arbeiteten. Die TLM reagiere auf diese Herausforderungen mit smarter Regulierung, konsequenter Aufsicht mit modernen Mitteln und dem Ausbau der Vermittlung von Medienkompetenz. Als Beauftragter für Medienkompetenz in der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) betonte Fasco: „Entwickeln Sie Zukunftskompetenz, nicht Zukunftsangst.“

Zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) machte der Direktor deutlich: KI biete enorme Chancen – etwa im lokalen Journalismus, in der Verwaltung und der Wissenschaft. Zugleich machte er jedoch auch auf die damit verbundenen Risiken aufmerksam. 

Minister Gruhner würdigt die Arbeit der TLM und setzt eigene Akzente
Stefan Gruhner, Chef der Thüringer Staatskanzlei und Thüringer Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Sport und Ehrenamt, würdigte die Arbeit der TLM ausdrücklich: „Die Thüringer Landesmedienanstalt leistet als Garant für Meinungsvielfalt, Jugendmedienschutz und Medienkompetenz einen wertvollen Beitrag für eine vielfältige Medienlandschaft. Gerade in einer zunehmend digitalen Welt braucht es starke Institutionen, die Orientierung geben und faire Regeln für alle durchsetzen. Im Kern ist Medienpolitik in diesen Tagen eigentlich Demokratiepolitik.“

Der Minister skizzierte fünf medienpolitische Leitplanken: die Unabhängigkeit freier Medien und die Staatsferne von Institutionen wie der TLM, gute Wettbewerbsbedingungen für Medienvielfalt, auch mit Blick auf das neue Thüringer Landesmediengesetz, souveräne europäische Regulierung gegenüber globalen Plattformen, den Schutz junger Menschen im digitalen Raum sowie Medienbildung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Außerdem hob der Staatskanzlei-Chef die Arbeit des neuen Medienrates in Weimar für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk hervor. Er sieht in der Standortwahl einen Vertrauensbeweis für den Medienstandort Thüringen.

DLM-Vorsitzender Schmiege: Lokaljournalismus als Demokratieversicherung und KI als Gestaltungsaufgabe
Dr. Thorsten Schmiege, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) und Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), betonte in seiner Rede vor allem die Themen Lokaljournalismus und Künstliche Intelligenz.
Lokaljournalismus ist für Schmiege keine Demokratie-Option, sondern Demokratie-Infrastruktur. Er schafft Orientierung, macht Missstände sichtbar und fördert zivilgesellschaftliches Engagement. Eine von den Landesmedienanstalten in Auftrag gegebene Studie belegt: Dort, wo lokale Berichterstattung vorhanden ist, ist die Bereitschaft zur Beteiligung vor Ort größer. Angesichts des wirtschaftlichen Drucks auf den Lokaljournalismus und der wachsenden Dominanz von Social Media plädierte Schmiege u. a. für eine bessere Auffindbarkeit qualitativ hochwertiger Inhalte in digitalen Kanälen und die Stärkung des Public-Value-Gedankens auch im Social-Media-Bereich.

Zum Thema KI betonte Schmiege die gestaltende Rolle der Medienanstalten: Es gelte, die Chancen der Technologie aktiv zu nutzen, Regulierungsrahmen zu entwickeln und dabei Verantwortung einzufordern auch und gerade gegenüber den großen globalen Plattformen.

Versammlung der TLM: KI im Fokus
Die Vorsitzende der TLM-Versammlung, Dr. Ute Zacharias, unterstrich abschließend die Bedeutung der intensiven Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Entwicklungen im Medienbereich für die Gremienarbeit. 2026 steht das Thema „Künstliche Intelligenz und Medien“ schwerpunktmäßig auf der Agenda der TLM-Versammlung. Abschließend machte sie sich stark für ein gemeinsames Engagement für eine gut informierte Öffentlichkeit, freute sich über die vielen Anwesenden und lud zum Gedankenaustausch mit Blick auf neue Ideen, Projekte und Vorhaben ein.

Die Veranstaltung kann ab 24. Juni 2026 in der Mediathek der TLM nacherlebt werden.

TLM-Mediathek