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Preisträger des Rundfunkpreises Mitteldeutschland 2016 - Bürgermedien Hörfunk und Fernsehen

 

Kategorie "Bester Beitrag Nachwuchs Fernsehen"

1. Preis (1.500 Euro)
Julian Förster „Mir gegenüber“, Offener Kanal Salzwedel

Traum oder Realität? Diese Frage stellt sich nicht nur Katharina im Film, als sie auf Jonathan trifft. Denn eigentlich sind sie doch nur Phantasiegebilde, oder wer ist das jeweils so liebenswerte, nette und toll aussehende Spiegelbild? Die reizvolle Dramaturgie macht nicht nur den jungen Zuschauer neugierig auf die Auflösung und man wünscht sich ein Happy End für die beiden. Ein gut fotografierter und sensibel gezeichneter Kurzfilm mit berührenden Szenen. Fast wortlos überzeugen die großartigen Laienschauspieler in der Umsetzung der Filmidee. Ein großes Kompliment an den Regisseur, der so wunderbar mit den Schauspielern gearbeitet hat und an das ganze Produktionsteam für das überzeugende Setting.

Nominierte Beiträge (jeweils 250 Euro)

David Menzel „Filmstadt Görlitz“, SAEK Görlitz
und
Filmgruppe des Winterferienlabors 2015 „Machtspiele“, SAEK Plauen

Kategorie "Bester Beitrag Nachwuchs Hörfunk"

1. Preis (1.500 Euro)

Franziska Lamers und Sophia Kaleta „Krieg, Terror und Flucht – die Hintergründe des Syrienkonflikts“, Jugendredaktion LiLaLotte, Radio LOTTE Weimar

Obwohl der Syrienkonflikt ständig in den Nachrichten ist, wird in der Berichterstattung wenig über die Hintergründe aufgeklärt. Dies hat sich der hier ausgezeichnete Beitrag zum Ziel gesetzt und dieses Versprechen wird auf besondere Weise eingelöst. Um komplexe Sachverhalte in einer einfachen, gut verständlichen und trotzdem berührenden Sprache auszudrücken, ist es notwendig, sich sehr intensiv mit einer Sache auseinanderzusetzen. Dies ist hier in einer Art geschehen, die vorbildlich zu nennen ist. Es wird auf Hintergründe des Syrienkonflikts, den bedrückenden Alltag der Menschen sowie die politischen Ursachen und Folgen eingegangen. Der Beitrag lädt ein zum Zuhören und nimmt die Hörerinnen und Hörer bei der Erkundung von Krieg, Terror und Flucht auf eine sehr einfühlsame und trotzdem an den Fakten orientierte Berichterstattung mit. Der Beitrag setzt Maßstäbe.

Nominierte Beiträge (jeweils 250 Euro)

Ulrike Irrgang „Umfragen zum Thema Flucht“, Radio F.R.E.I.
und
Nadja Hagen, Stephanie Scholz und die Kinder aus dem Familienzentrum „Schöpf-Kelle“ „Die Grünschnäbel bei den Kinderhändelfestspielen““, Radio Corax

 

Kategorie "Bester Beitrag Erwachsene Fernsehen" (1.500 Euro)

1. Preis (1.500 Euro)

Heine Roeske „Thügida Teil 2 – Was Alice in Gera erlebte“, Thüringer Medienbildungszentrum

Dieser Beitrag ist keinem Genre zuzuordnen. Er fällt gewissermaßen aus dem Rahmen. Er ist provokativ, entlarvend, argumentativ, spannend und dabei auch noch unterhaltsam. Diese brisante Gegenwartsaufnahme stellt locker Zusammenhänge her und lässt Abgründe ahnen, weil ein brillanter bunter Vogel mit seinen beharrlichen Fragen und forsch-frechem Auftreten Menschen zu ehrlichen Antworten treibt. Diese Ehrlichkeit wirkt manchmal lächerlich, aber andererseits macht sie Angst. Gewaltbereitschaft ist zu erleben, Dummheit, Humorlosigkeit, Uninformiertheit und Mitläufertum. Und dennoch ist dieser Beitrag, der um und inmitten einer Pegida-Kundgebung spielt, ein absolutes Plädoyer für Menschlichkeit und Demokratie. Dieser Film wird von einer konsequenten Idee, von professioneller Machart und von bewundernswerter Zivilcourage getragen. Deshalb ist dieser Beitrag so verdammt gut und ein absoluter Knaller.

Nominierte Beiträge (jeweils 250 Euro)

Janos Varga, Andreas Bales, Anna Stoltzmann, Robert Gruhne „#HALLO ISLAM!“, Offener Kanal Magdeburg
und
Harald Seeliger „Erinnerungen von Harald Seeliger an den Kristallpalast in Dessau“, Offener Kanal Dessau


Kategorie „Bester Beitrag Erwachsene Hörfunk“

1. Preis (1.500 Euro)

Johannes Smettan „Buttlar – ein Dorf nimmt Flüchtlinge auf“, Radio F.R.E.I.

Der Beitrag beginnt wie eine klassische Reportage über einen kleinen Ort in der thüringischen Rhön mit schöner Landschafts- und Ortsbeschreibung, findet dann aber sein eigentliches Thema schnell in der ebenso präzisen und bestens recherchierten Vorstellung der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die den Flüchtlingen helfen, die in Buttlar im Wartburgkreis untergebracht sind. Neben der handwerklichen Kompetenz und der unaufgeregten Art, in der die Gesprächsführung stattfindet, fasziniert dieser Radiobeitrag über die Art und Weise, wie ein hochgradig relevantes politisches Thema auf die Ebene einer Dorfgemeinschaft transportiert wird.

Nominierte Beiträge (jeweils 250 Euro)

Elfriede Baumann „Aus meinem Leben – Das Fräulein vom Amt“, RADIO OKJ 103,4
und
Helene Flick „Hallescher Ort – Steinweg“, Radio Corax

 

Kategorie Sonderthema „Flucht und Integration“

Sponsor: KPMG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (je 500 Euro)

Hörfunk
Luzie Ilgner „Tanztheater – Was uns bewegt“, Radio Corax

Integration, Kommunikation, Gemeinschaft, dies sind Zauberworte, die nicht nur im Zusammenhang mit Migration und Flucht eine besondere Rolle spielen und immer wieder mit Leben gefüllt werden müssen. Luzie Ilgner berichtet im Stil einer Reportage über ein Tanz- und Bühnenprojekt in Halle, das mit engagierter Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen Geflüchteten und Migranten die Möglichkeit gibt, ihre Kultur und ihre Lebenswirklichkeit der Mehrheitsgesellschaft nahe zu bringen. Der Beitrag überzeugt durch seine Authentizität und die Nähe zu den Protagonisten des Projektes. Ein lebensnahes Beispiel für die großen und vielfältigen Möglichkeiten, die das Nichtkommerzielle Lokalradio immer noch und immer wieder nicht nur den Produzenten, sondern auch den Hörerinnen und Hörern bietet.

Fernsehen
Schülerinnen und Schüler des Oberland-Gymnasiums Seifhennersdorf „Was wollen die eigentlich hier“, SAEK Bautzen

Eine Schülerzeitungs-Redaktion setzt sich praktisch und kritisch mit der Situation von Flüchtlingen in Deutschland auseinander. Der Beitrag ist deshalb herausragend, weil er in relativ kurzer Zeit von vier Minuten nicht nur die Rolle von Migranten reflektiert, sondern auch die Aufgaben der hiesigen Menschen bei der Mammutaufgabe der Integration. Dabei kommen nicht nur deutsche Mitschüler zu Wort, sondern auch Personen, die Flüchtlinge bei sich aufgenommen haben oder bei der Organisation der Integrationsaufgaben geholfen haben. Ein Fokus wird dabei auch auf einen jungen kosovarischen Flüchtling gesetzt, der schon seit vielen Jahren in Deutschland lebt und bei dem das Ankommen vor Ort – in der Schule, in der bundesdeutschen Wirklichkeit – weitestgehend abgeschlossen ist. Der Beitrag weist damit auch darauf hin, dass es Fluchtbewegungen schon vorher gegeben hat und dass es Möglichkeiten und Strategien einer für alle Seiten gewinnbringenden Aufnahme und Einbeziehung gibt. Herausragend ist auch, dass der technisch – vor allem in Kameraführung und Schnitt – sehr gut gestaltete Beitrag die besondere Rolle von Bildungsträgern, in diesem Fall ein Gymnasium, beim Umgang mit aktuellen gesellschaftlichen Themen zeigt und so indirekt auch darauf hinweist, wie praktischer Politik-/Sozialkunde-Unterricht aussehen kann.

 

Länderpreise Sachsen

Hörfunk
Alexander Moritz „100 Jahre Leunawerke“, mephisto 97.6

Der Beitrag beschäftigt sich mit der wechselvollen Geschichte von einem der größten Chemiebetriebe in Deutschland, von seiner Gründung in den 1920er Jahren, über die Zeit der Zwangsarbeit während des Dritten Reichs und der Ära als VEB in der DDR bis heute als unabhängiger wirtschaftlicher Betrieb verschiedener Inhaber. Der Jury gefiel am Beitrag besonders, dass er in der recht übersichtlichen Zeit von unter fünf Minuten wesentliche Stationen der Entwicklung sprachlich ausgereift und informativ behandelte. Als herausragend wurde dabei auch betrachtet, dass die Leunawerke zwar im Land Sachsen-Anhalt angesiedelt sind, jedoch der Beitrag selbst – auch aufgrund der räumlichen Nähe – von einem sächsischen Bürgermedium produziert worden ist, was der thematischen Integration von Mitteldeutschland zuträglich ist. Positiv fielen auch der Umgang mit O-Tönen und die Atmosphäre des Werks auf. Der Beitrag ist also nicht als reines Informationsstück mit historischem Bezug im Studio konzipiert und entstanden, sondern hat auch Reportage-Charakter.

Fernsehen
Schülerinnen und Schüler der Bruno-Bürgel-Oberschule Weißwasser „Die kleine Ameise“, SAEK Bautzen

Bürgermedien zeichnen sich auch durch die Vielfalt der Projekte aus. Der animierte Kinderfilm ist hierbei eine leider viel zu häufige Ausnahme, was sehr schade ist, bietet doch gerade dieses Genre unzählige Gestaltungs- und Umsetzungsmöglichkeiten. Mit dem Animations-Kinderfilm `Die kleine Ameise´ hat sich die 10. Klasse der Bruno-Bürgel-Oberschule Weißwasser solch einer Herausforderung bewundernswert professionell gestellt. In überraschenden Wendungen wird anregend und heiter erzählt, wie im verregneten Wald für das Ameisenmädchen Lulu das große Ameisenfest doch noch ein besonderes Vergnügen wird. Mit dieser Kunstform ist den Schülern ein technisch und gestalterisch schön umgesetzter Kindertrickfilm gelungen. Großes Kompliment für die Schüler der Oberschule Weißwasser, den Anspruch gehabt zu haben einen Animationsfilm zu machen, der verschiedene Tricktechniken miteinander kombiniert. Dank auch dem SAEK Bautzen, der diese Produktion begleitete.

 

Länderpreise Sachsen - Anhalt

Hörfunk
Luzie Ilgner „Studentenverbindungen und Burschenschaften in Halle“, Radio Corax

Mit einem wenig schmeichelhaften Zitat von Kurt Tucholsky über Verbindungsstudenten leitet Luzie Ilgner ihren Beitrag über Studentenverbindungen und Burschenschaften ein, in dem sie untersuchen möchte, ob Tucholskys Auffassung von 1928 auch im Jahr 2016 noch zutrifft. Luzie Ilgner gibt keine eigene Meinung vor, sondern lässt unterschiedlich Beteiligte zu Wort kommen und schafft so eine Distanz. Daraus ergibt sich eine Sicht aus verschiedenen Perspektiven, die eigentlich immer gut ist, wenn der Zuhörer sich eine eigene Meinung zum Thema bilden soll. Deutlich wird aber, dass in der heutigen Zeit, wie eigentlich schon immer, das Verstecken hinter Idealen und Traditionen der Bildung einer vermeintlichen Elite dienen soll, in deren Schutz es sich (natürlich streng hierarchisch gegliedert), leichter leben lässt als sich immer wieder durch Leistung neu beweisen zu müssen. Der Beitrag informiert auch Menschen, die sich diesem Thema bisher noch nicht oder nur durch alte, verklärende Filme genähert haben und macht sicher neugierig darauf, mehr zu erfahren.

Fernsehen
Dietrich Bungeroth „Führung auf dem Toleranzweg in Wörlitz“, Offener Kanal Dessau

Dietrich Bungeroth hat sich eine vornehme und arbeitsintensive Aufgabe gestellt. Er widmet sich in seinem Beitrag der Geschichte der jüdischen Minderheit in Wörlitz und vor allem den Spuren, die sie hinterließen. Kenntnisreich und souverän moderiert und erklärt Herr Bungeroth den Zuschauerinnen und Zuschauern des Offenen Kanals anhand von Baudenkmälern und Dokumenten die außerordentlich interessante und spannende Geschichte des jüdischen Einflusses auf das soziale, kulturelle und politische Leben in Wörlitz und Dessau im 18 und 19. Jahrhundert. Ein hervorragendes Beispiel für kluges und engagiertes Bürgerfernsehen.

 

Länderpreise Thüringen

Hörfunk
Heiner Koch „Haus Hoffnung/Nachruf Lutz“, Radio LOTTE Weimar

Der Autor wagt sich an ein Thema, das am Rande der Gesellschaft angesiedelt ist. Er besucht ein Haus in der Kulturstadt Weimar, in das wohl niemand gerne einziehen möchte. Und doch ist das Obdachlosenheim, das aus gutem Grunde Haus Hoffnung heißt, gut bewohnt. Die Gründe für den Einzug dort sind ganz unterschiedlich. Der Autor unterhält sich mit Mitarbeitern, ehrenamtlichen Helfern, dem Arzt, der die Patienten hier vor Ort betreut, und er lässt Bewohner selbst zu Wort kommen. Der Beitrag lebt von seiner Authentizität, seiner Sachlichkeit und von Mitgefühl, Verständnis und Respekt jener Menschen, die den Hilfsbedürftigen zur Seite stehen. Niemals wird die Würde der Hausbewohner verletzt. Dass der Autor zu einem späteren Zeitpunkt das Thema erneut aufgreift und dem an Leukämie verstorbenen Obdachlosen Lutz eine emotionale Geschichte widmet, macht diesen Beitrag noch wertvoller.

Fernsehen
Filmclub Gera-Pforten e.V. & Neulandfilm unter Leitung von Stefan Gabel „Afrika“, Thüringer Medienbildungszentrum

Komplexe Sachverhalte auf prägnante Weise und zudem noch mit einem Schmunzeln auf den Lippen zu vermitteln, ist eine hohe Kunst. Das Lachen bleibt einem aber im Halse stecken, wenn man den Beitrag des Filmclubs Gera-Pforten mit dem Titel „Afrika“ ansieht, in ihm geht es um die Berufswünsche von Kindern. Doch dies ist nur die Vorderbühne, auf der Hinterbühne geht es um die gesellschaftliche Bewertung bestimmter Berufe und Tätigkeiten. Der Kurzfilm regt zum Nachdenken an. Ein Beitrag ist nicht dann komplett, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern, wenn man nichts mehr weglassen kann. Deshalb darf die Laudatio auf keinen Fall länger sein als der Beitrag selbst.