Öffentliche Ausschreibung Forschungsgutachten

Forschungsgutachten zu Angebot, Vielfalt und Perspektiven lokaler und regionaler Medien in Thüringen. Teil 1: Relevante Medien und Informationsquellen

Die Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) ist für die Aufsicht über private Rundfunk- und Telemedienangebote in Thüringen zuständig. Sie trifft Lizenzentscheidungen, vergibt Übertragungskapazitäten und kümmert sich um die Einhaltung der medienrechtlichen Regeln u. a. zum Jugendschutz, zur Werbung, zur Meinungsvielfalt und zur Plattformregulierung. Als unabhängige Anstalt öffentlichen Rechts organisiert, fördert sie die Bürgermedien und den Medienstandort und unterstützt zahlreiche Maßnahmen und Aktivitäten zur Förderung von Medienkompetenz.

Um zu ermitteln, wie es um das Angebot, die Vielfalt und die Perspektiven lokaler und regionaler Medien und Informationsquellen in Thüringen bestellt ist, schreibt die TLM ein Forschungsgutachten aus.

1. Hintergrund

Lokale und regionale Medien und Informationsangebote sind für die individuelle und öffentliche Meinungs- und Willensbildung von entscheidender Bedeutung. Aktuelle Studien wie die Funkanalyse Thüringen 2021 belegen ein großes Interesse an Nachrichten aus dem Nahraum und der Region und eine breite Nutzung lokaler Informationsmedien. Durch die grundlegenden Veränderungen der Medienlandschaft sind die traditionellen Lokalmedien, allen voran die Tageszeitungen, in den letzten Jahren jedoch massiv unter Druck geraten. Ihre Situation ist von einem hohen Konkurrenz-, Anpassungs- und Entwicklungsdruck geprägt.

Gleichzeitig sind im Internet neue digitale Angebote, Verbreitungsplattformen, Übertragungswege und Nutzungsmuster sowie spezialisierte Audio-, Video, Text- und Kommunikationsangebote entstanden – die jedoch meist von ihrer hohen Skalierbarkeit leben. Viele Informationen, die traditionell vor allem über Print- und Rundfunkmedien verbreitet wurden, werden heute (auch) online angeboten und genutzt. Das spiegelt sich auch in den Ergebnissen der Funkanalyse Thüringen: Auf die Frage, welche lokalen Informationsmedien sie nutzen, nennt die Mehrzahl der Befragten nicht nur kostenlose Wochenzeitungen/Anzeigenblätter und lokale Tageszeitungen, sondern auch lokale Internetangebote und (sofern empfangbar) lokale Fernseh- und Radiosender. Neben klassischen Medien kommen hier viele weitere (potenzielle) Anbieter lokaler und regionaler Informationen ins Spiel – von staatlichen und staatlich finanzierten Stellen über (politische) Mandats- und Amtsträger, zivilgesellschaftliche Akteure, Wirtschaftsunternehmen und Gewerbetreibende bis zu Privatpersonen.

Die Relevanz dieser Angebote für die individuelle und öffentliche Meinungs- und Willensbildung zu lokalen und regionalen Fragen ist jedoch sehr unterschiedlich. Sie ist abhängig von ihren Inhalten und ihrem regionalen Bezug, aber auch von vielen weiteren Faktoren, wie z. B. der Gattung, der Erscheinungsweise, dem Kontext, dem Anbieter und der Finanzierung sowie der Bekanntheit, Reichweite und Nutzung der Angebote und ihrer wirtschaftlichen Lage und Perspektive.

Mit der aktuellen Ausschreibung greift die TLM zugleich eine Empfehlung aus dem Gutachten des EMR zum Thema „Aktive Sicherung lokaler und regionaler Medienvielfalt“ auf, das im Auftrag der Thüringer Staatskanzlei und der TLM erstellt wurde. Die Gutachter belegen darin die Notwendigkeit und Dringlichkeit einer Förderung lokaler und regionaler Medieninhalte und empfehlen, turnusmäßig empirische Erkenntnisse zur Entwicklung zur regionalen und lokalen Medienvielfalt zu erheben, um den Erfolg der verschiedenen Maßnahmen bewerten zu können.

2. Erkenntnisinteresse/Leistungsbeschreibung

Das wissenschaftlich fundierte Forschungsgutachten soll erste Erkenntnisse dazu liefern, wie es um das Angebot, die Vielfalt und die Perspektiven lokaler und regionaler Medien und Informationsquellen in Thüringen bestellt ist. Eine vollständige Erfassung aller lokalen und regionalen Medien und Informationsquellen in einer landesweiten Erhebung schließt sich aus forschungspraktischen und forschungsökonomischen Gründen dabei von vornherein aus.

Anhand exemplarischer Standorte soll das ausgeschriebene Gutachten deshalb der Frage nachgehen, welche lokalen und regionalen Medien und Informationsangebote es an den ausgewählten Standorten gibt und ermitteln, welche Relevanz die verschiedenen Angebote für die individuelle und öffentliche Meinungs- und Willensbildung zu lokalen und regionalen Fragen haben.

Darüber hinaus sollen Kriterien für die Identifikation und Abgrenzung relevanter Angebote entwickelt werden, die im Rahmen einer (späteren) landesweiten Erhebung zu Entwicklung und Perspektiven der regionalen und lokalen Medienvielfalt in Thüringen ggf. zu berücksichtigen sind.

Neben lokalen und regionalen Print- und Rundfunkangeboten sind vor allem auch lokale/regionale Onlinemedien und Influencer in den Blick zu nehmen. Dabei sind nicht nur Webseiten, sondern auch (relevante) Social-Media-Angebote zu berücksichtigen.

Auf dieser Basis ist zu diskutieren, welche Angebote in einer (späteren) Studie zu Angebot, Vielfalt und Perspektiven lokaler und regionaler Medien in Thüringen ggf. zu berücksichtigen sind. Neben einer Beschränkung auf journalistische Angebote, auf Informationsangebote zu politisch und gesellschaftlich relevanten Themen oder auf journalistisch-redaktionell gestaltete Angebote, die öffentlich zugänglich und auf eine gewisse Dauer angelegt sind und bei denen eine Auswahl und Bearbeitung der Inhalte durch einen Anbieter erfolgt, ist z. B. auch eine Begrenzung auf Angebote denkbar, die (regelmäßig) Inhalte aus dem Bereich Nachrichten und politische Information enthalten, (gesellschaftlich und politisch) kontroverse Themen aus dem Nahraum aufgreifen oder aktuelle Themen und Entscheidungen aus den jeweiligen kommunalen Gremien behandeln. Die Ergebnisse sollen in Empfehlungen und geeigneten Kriterien zur Identifikation und Abgrenzung der relevanten Angebote münden.

3. Methode/Design

Zur Bearbeitung und Beantwortung der komplexen Forschungsfragen bietet sich ein Mehrmethodenansatz an, bestehend z. B. aus
• Desktop Research und (Online-)Recherche zu lokalen Medien und Informationsquellen an ausgewählten Standorten.
• Befragung ausgewählter Stakeholder (Online) zur Recherche und Ermittlung relevanter lokaler/regionaler Informationsangebote (z. B. Pressesprecher).
• Erfassung und Analyse der Struktur, Inhalte und Lokalbezüge verschiedener Angebote.
• Befragung (ausgewählter) Anbieter zu Struktur, Inhalten, Kontext und Finanzierung ihrer Angebote.

4. Ausschreibung/Auswahlverfahren

4.1 Inhalt des Angebots
Angebote müssen – neben der Bewerbererklärung (siehe Anlage) – insbesondere Angaben zu
a) Konzept, Problemaufriss/Einordnung und Methodik,
b) Forschungskompetenz, Expertise und Referenzen,
c) Zeitplanung der Umsetzung und
d) Gesamtpreis (brutto) mit detaillierter Kostenkalkulation, orientiert an den Aufgaben in der Leistungsbeschreibung sowie mit einer Aufschlüsselung der Einzelpreise der einzelnen Schritte, Stunden- bzw. Tagessätze, Reisekosten etc. enthalten.

4.2 Zeitplan/Budget
Für die Durchführung des Gutachtens stellt die Auftraggeberin einen Betrag in Höhe von maximal 20.000 Euro brutto zur Verfügung. Die Bewerber sind verpflichtet, ihr Angebot mindestens 6 Monate nach Ende der Bewerbungsfrist aufrecht zu erhalten. Die Zahlung soll in zwei Raten erfolgen.

Für die Erstellung des Gutachtens ist ein Zeitraum von maximal 9 Monaten ab Auftragsvergabe vorgesehen.

4.3 Entscheidungskriterien

Die Auftraggeberin entscheidet sich für das wirtschaftlich günstigste Angebot auf der Basis der Kriterien Methodik, Referenzen, Projektmanagement, Verständnis des Auftragsgegenstands/theoretische Einordnung in folgendem Verhältnis:

Kriterium

Maximalpunkteanzahl

Mindestpunkteanzahl

a) Methodik

  • Schlüssigkeit der Leistungsbeschreibung
  • Nachvollziehbarkeit der Umsetzungsschritte
  • Stichhaltigkeit etwaiger Änderungsvorschläge

50

32

b) Referenzen und Nachweise

  • Allgemeine Qualität des Auftragnehmers
  • Relevanz und Ausmaß der nachgewiesenen Referenzprojekte
  • Qualität des vorgeschlagenen Projektteams

15

8

c) Projektmanagement

  • Struktur der Projektsteuerung und Aufgabenverteilung
  • Nachvollziehbarkeit der eingesetzten Ressourcen

15

8

d) Verständnis des Auftragsgegenstands/theoretische Einordnung

20

12

100

60

Angebote, die in einer der vier Kategorien die Mindestpunktzahl nicht erreichen, werden als qualitativ ungeeignet eingestuft und vom Bewerbungsverfahren ausgeschlossen, ebenso Angebote mit einem höheren Preis als in der Ausschreibung benannt.

Maßgeblich für die Vergabeentscheidung ist ein Qualitätswert, der den angebotenen Preis und die erreichte Punkteanzahl in ein Verhältnis von 30 zu 70 setzt und nach folgender Formel berechnet wird:

Qualitätswert = (Günstigstes Angebot / angebotener Preis)*30 + (Punkteanzahl / 100)*70

4.4. Angebotsabgabe

Wenn Sie an der Vergabe interessiert sind, übersenden Sie bitte Ihr Angebot bis zum Freitag, den
14. Oktober 2022, 12.00 Uhr
in einem verschlossenen Umschlag an die:

Thüringer Landesmedienanstalt
Kennwort „Lokale Vielfalt – Gutachten“
Steigerstraße 10
99096 Erfurt

Angebote, die bis zu dieser Uhrzeit nicht in der TLM eingetroffen sind, werden nicht berücksichtigt. Bitte senden Sie Ihr Angebot auch als zusammenhängende PDF-Datei an mail@tlm.de (nicht fristwahrend). Der Speichername sollte eindeutig erkennbar dem schriftlich eingereichten Antrag zuzuordnen sein.