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TLM Fernsehpreis 2001

Die TLM hat am 30. Mai 2002 im Geraer Rathaussaal den „TLM-Fernsehpreis für Bürgerrundfunk 2001“ verliehen. Ziel der Preisvergabe ist die Prämierung von Fernseh- und Hörfunkbeiträgen, die in besonders gelungener Form den Bürgerrundfunk als Plattform für freie Meinungsäußerung nutzen sowie einen Beitrag zur Verbesserung der Information und Kommunikation in der Region leisten.

Alle in den Kategorien „Fernsehbeitrag/Vorproduktion“, „Fernsehsendung/Livesendung“ und „Die unveröffentlichte Geschichte“ ausgeschriebenen Preise wurden vergeben.


Jurymitglieder

Prof. Dr. Lorenz Engell (TLM-Versammlung),
Jürgen Boie (Kinderkanal),
Stefan Kempf (Leiter Offener Kanal Essen),
Dirk Heinje (back-up Filmfestival),
Dr. Victor Henle (TLM-Direktor)


Preisträger

Kategorie I „Fernsehbeitrag/Vorproduktion“


1. Preis:
Gerhard Pilz (500,-€)
„Das thüringisch-hessische Grenzmuseum“
(Produziert und ausgestrahlt im Offenen Kanal Eichsfeld.)

Kenntnisreich und anschaulich dokumentiert Gerhard Pilz ein trauriges Kapitel deutsch-deutscher Geschichte: die menschenverachtende Perfektion des Todesstreifens und die Arbeit der Grenzsoldaten ebenso wie das Schicksal von Menschen, die versuchten, diese Grenze zu überwinden. Nicht nur im lange Zeit geteilten Eichsfeld ist dieses Thema von besonderer Relevanz. Zugleich zeigt der Beitrag das Engagement der Menschen, die heute mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit für das Museum dazu beitragen, die Erinnerung wach zu halten. Bemerkenswert ist auch die aufwendige filmtechnische Gestaltung des Beitrags.

2. Preis:
Mario Reinhardt und Bernd Kittlaus (250,-€)
„Ich will bei euch wohnen“

(Produziert und ausgestrahlt im Offenen Kanal Eichsfeld.)

„Eine Kirche in Bewegung!“ Mit diesen Worten beginnen Mario Reinhardt und Bernd Kittlaus ihre Dokumentation über den Aufbau und die Eröffnung des Christuspavillons im Kloster Volkenroda. Ursprünglich für die Expo 2000 entwickelt und gebaut, bildet der moderne Christuspavillon im Herzen der aufwändig rekonstruierten, alten Klosteranlage von Volkenroda ein neues religiöses und kulturelles Zentrum für eine ganze Region. Mario Reinhardt und Bernd Kittlaus setzten dieses komplexe Thema in ihrem Beitrag interessant und verständlich um. Ihre Dokumentation ist übersichtlich strukturiert und überzeugt durch eine über weite Strecken fast professionelle Gestaltung. Vor allem in der ersten Hälfte zieht der Beitrag seine Zuschauer durch eine interessante, atmosphärisch dichte Erzählweise schnell in seinen Bann.

Lobende Anerkennung:
Franziska Junge
„Wo kommen denn die kleinen Löffel her?“

(Produziert und ausgestrahlt im Offenen Kanal Gera.)

„Spritzig“, „originell“, „humorvoll“, „ironisch“, „durchdacht“, mit diesen Attributen lässt sich der nur vierminütige Kurzfilm „Wo kommen denn die kleinen Löffel her?“ charakterisieren. Mit einfachen tricktechnischen Mitteln gelingt es der Produzentin Franziska Junge, die Zuschauer in ihre liebenswürdige und sympathische Geschichte von den kleinen Löffeln hineinzuziehen. Gespannt und mit einem Schmunzeln wartet der Betrachter auf die beinahe vorhersehbare und dennoch interessante Pointe. Die gute handwerkliche Umsetzung, das geschickte Timing und eine ansprechende Gestaltung runden den gelungenen Kurztrickfilm ab.


Kategorie II „Fernsehsendung/Livesendung“

1. Preis:
Gedenkstätte Amthordurchgang Gera e. V. (500,-€)
„Themenabend: Erinnern und Gedenken“
(Produziert und ausgestrahlt im Offenen Kanal Gera.)

„Erinnern und Gedenken“ lautet der Titel einer Live-Sendung vom Verein Gedenkstätte Amthordurchgang Gera, die am 26. April 2001 anlässlich des 20. Todestages von Mathias Domaschk ausgestrahlt wurde. Anders als in den zahllosen „Polit- und Konfrotalks“, die derzeit die Fernsehlandschaft beherrschen, verzichtet diese Sendung auf einfache, plakative und publikumswirksame Erklärungsmuster: Niemand wird unter Druck gesetzt, keiner angeklagt. Die Gäste haben Zeit, ihre Position darzulegen und zu erklären. Auf diese Weise zeigt sich, dass selbst bei konträren Positionen und schwierigen Konstellationen Gespräch und Verständigung möglich sind. Beeindruckt war die Jury aber nicht nur von der inhaltlichen Gestaltung, sondern auch vom guten Timing der rund 100-minütigen Livesendung.

2. Preis:
Redaktionsgruppe des Stadtjugendring Gera e. V. (250,-€)
„Sprechzeit: Hausbesetzung“

(Produziert und ausgestrahlt im Offenen Kanal Gera.)

Die Talkshow „Sprechzeit: Hausbesetzung“ ist ein hervorragendes Beispiel für die Nutzung der Möglichkeiten des Bürgerrundfunks als lokales Artikulations- und Meinungsforum. Mit ihrer Sendung mischt sich die Redaktionsgruppe des Stadtjugendring Gera e. V. aktiv in die aktuelle lokalpolitische Auseinandersetzung ein. Die Sendung wurde am 8. Mai 2001 kurzfristig, im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit der Räumung eines besetzten Gebäudes realisiert und ausgestrahlt. Neben der inhaltlichen Gestaltung überzeugen auch die gute technische Umsetzung und die ansprechende Studiokulisse, die vom Stadtjugendring eigens für diesen Zweck und mit einfachsten Mitteln gebaut wurde.

Lobende Anerkennung:
Holger Schimmel und der EKC '77
„Gesundheitswahn beim EKC“

(Produziert und ausgestrahlt im Offenen Kanal Gera.)

Wer bei der Sendung „Gesundheitswahn beim EKC“ den bloßen Mitschnitt einer Faschingssitzung in bekannter Manier erwartet, wird von dieser Faschingssendung positiv überrascht sein. Statt lediglich das Geschehen auf der Bühne mit der Kamera zu verfolgen, werden vorproduzierte Filmbeiträge via Großleinwand in die Veranstaltung integriert und gleichzeitig in die Fernsehübertragung eingespielt. Die zum Teil aufwändig produzierten Sketche orientieren sich nicht nur am Rahmenthema der Veranstaltung, sie knüpfen unmittelbar am Geschehen auf der Bühne an, greifen dieses auf und bearbeiten es mit filmischen Mitteln.


Kategorie III „Die unveröffentlichte Geschichte“

In der Kategorie III „Die unveröffentlichte Geschichte“ werden Beiträge ausgezeichnet, die ein Thema behandeln, das von den übrigen Medien nicht aufgegriffen wurde oder ein bereits öffentliches Thema von einer neuen, bisher unberücksichtigten Perspektive aus darstellen und bewerten.


1. Preis:
Martina Schleif, Ingrid Kiaulehn und Kerstin Kiaulehn (750,-€)
„Schulpolitik: Erfurt kontra Gotha“

(Produziert und ausgestrahlt im Offenen Fernsehkanal Saalfeld.)

„Schulpolitik: Erfurt kontra Gotha“ lautet der Titel einer Sendung von Martina Schleif, Ingrid Kiaulehn und Kerstin Kiaulehn, die eindrucksvoll die besonderen Möglichkeiten des Bürgerrundfunks aufzeigt. Produziert von einer gehörlosen Nutzergruppe ist die Sendung ein Beispiel dafür, wie sich eine Personengruppe, die sonst im Fernsehen kaum berücksichtigt wird, im Offenen Kanal mit ihren Themen und Positionen zu Wort meldet. Für die Nutzergruppe war die Sendung ein Erstlingswerk. Umso höher ist die gelungene Gestaltung zu bewerten. Ihr Thema, der Standort der einzigen Schwerhörigen- und Gehörlosenschule in Thüringen, besitzt für hörgeschädigte Menschen in Thüringen hohe Relevanz.

Lobende Anerkennung:
Katharina Triebe
Beitrag zum Themenabend „Kunst und Prostitution“

(Produziert und ausgestrahlt im Offenen Kanal Gera.)

Der Beitrag der erst 18-jährigen Katharina Triebe zeigt eine ebenso sensible, wie informative Annäherung an ein Thema, das sonst in Gera weitgehend verschwiegen wird. Ausgestrahlt im Rahmen des Themenabends „Kunst und Prostitution“ überzeugt der Beitrag über Prostitution in Gera vor allem durch seine zurückhaltende, wertfreie und sachliche Darstellung, in der die Menschen mit ihren jeweiligen Erfahrungen im Vordergrund stehen. Wohltuend hebt er sich damit von den meist reißerischen Reportagen kommerzieller Sender zu diesem Thema ab.



Quelle: http://www.tlm.de/tlm/buergerrundfunk/rundfunkpreis/fernsehpreis_2001/index.php