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Radio 2020: Kein Grund für Schwarzmalerei - Radiomacher blicken optimistisch in die Zukunft!

11.08.2010

In Erfurt diskutierten gestern auf Einladung der Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) sowie Antenne Thüringen, LandesWelle Thüringen und dem MDR-Landesfunkhaus Thüringen Radiomacher und Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und Luxemburg über die Zukunft des Hörfunks im digitalen Zeitalter. Fast alle waren sich darin einig, dass das Radio vor großen Herausforderungen steht, dabei jedoch die besten Voraussetzungen hat, sich auch in den nächsten Jahren in der Gunst der Hörer zu behaupten.

Praesentation GoldhammerJochen Fasco, Direktor der TLM, betonte in seiner Begrüßung, dass das Medium Radio es wert ist, in den Vordergrund geholt zu werden. Die Veranstalter hätten sich deshalb ganz bewusst für eine Fortsetzung der Tagung „Radio 2020“ vom letzten Jahr entschieden: Das Radio sei in der Vergangenheit mehr als einmal tot gesagt worden, den Machern sei es jedoch immer wieder gelungen, die Programme auf die jeweiligen Bedürfnisse der Hörer einzustellen und so die Erfolgsgeschichte des Radios fortzuschreiben, so Fasco. Dabei spielten die Programme und die Inhalte fast immer die entscheidende Rolle. Während in der ersten Tagung die technischen Fragen im Mittelpunkt standen, solle es deshalb in diesem Jahr vor allem um die Programme und die Inhalte gehen.

Das erste Forum war der Frage gewidmet, mit welchen neuen Inhalten, Formaten und Innovationen die erfolgreichen UKW-Programme von heute ihre Position in der zunehmend non-linearen Medienumwelt der nächsten Jahre behaupten können. Im zweiten Teil blickten Teilnehmer dann noch etwas weiter in die Zukunft und hielten nach neuen Verbreitungs- und Verwertungsmöglichkeiten für Radioinhalte im Internet Ausschau.

Professor Dr. Michael Schenk von der Universität Hohenheim erinnerte eingangs an die Stärken des Begleitmediums Radio und verwies auf die stabilen Nutzungszahlen der letzten Jahre. Sein Fazit: „Radio ist nach wie vor und weiterhin ein Erfolgsmedium. Es gibt keinen Grund für schlechte Stimmung!“ Dr. Klaus Goldhammer nahm in seiner Einführung die Entwicklung der Webradios näher in den Blick. Seine Prognose: „Webradios kommen langsam, aber sie kommen!“ Dr. Goldhammer berichtete von hohen Zuwachsraten und sinkenden Kosten bei mobilen Bandbreiten, einer steigenden Zahl von inzwischen 2.700 Webradios in Deutschland, den Möglichkeiten der mobilen Nutzung (auch im Auto) sowie der hohen Akzeptanz von Radio-APPs. Er machte aber auch deutlich, dass die Nutzung der Webradios gemessen an den Steigerungsraten bei Bandbreiten und Sendern bislang nur sehr langsam wächst. UKW-Radios und Webradios seien nicht vergleichbar, so Goldhammer, und außerdem: „Wer heute über 40 Jahre alt ist, wird auch in den nächsten 40 Jahren noch UKW hören!“

Die Macher waren sich in ihren Statements einig, dass sie mit ihren Programmen überall dort sein müssen, wo ihre Hörer sind. Dabei gelte es jedoch, zunächst das Heute und Jetzt abzufragen und dann Schritt für Schritt mitzugehen, erläuterte Matthias Gehler, Hörfunkchef von MDR 1 Radio Thüringen: „Jetzt schon vollständig auf die neuen Verbreitungswege umstellen, ginge an unserer Zielgruppe vorbei.“ Weil den Hörern die Technik letztlich egal sei, müssten die Sender versuchen, ihre klassischen UKW-Programme vital zu halten und gleichzeitig die Chancen und Möglichkeiten der neuen Verbreitungs- und Verwertungswege im Rahmen des finanziell Möglichen auszuprobieren und zu nutzen. Das gelte ganz besonders für die jugendorientierten Stationen, die in dieser Entwicklung momentan vorangehen. Im Übrigen sollten sich die Sender nach Einschätzung der Macher noch mehr auf die Stärken des Radios, wie Regionalität und Aktualität konzentrieren.

Klar wurde aber auch, dass die Schlagkraft und das Geld des Radios, trotz der unterdurchschnittlichen Akzeptanz des Mediums bei den Werbekunden, nach wie vor aus UKW kommen. Im Internet sei dagegen für regional aufgestellte Radiosender auf absehbare Zeit kein Geld zu verdienen. „Unsere Hörer sind es gewohnt, ihre Radioprogramme umsonst zu bekommen, so der Geschäftsführer von Antenne Thüringen, Hans-Jürgen Kratz. „Wieso sollten sie gerade im Internet, wo fast alles kostenlos ist, dafür bezahlen?“ Den Werbekunden gehe es ihrerseits nach wie vor darum, Masse zu erreichen. Im Netz würden die ganz großen Zugriffszahlen jedoch gerade nicht von regionalen, sondern eher von nationalen und internationalen Marken außerhalb des Mediensektors generiert. Vor diesem Hintergrund werden die anderen Ausspiel- und Verbreitungswege einschließlich I-Pad und I-Phone nur als Ergänzung gesehen.

Auffällig war schließlich, dass das Selbstbewusstsein und die Gelassenheit der Macher angesichts der neuen Möglichkeiten des Netzes seit der ersten Tagung im Juni 2009 spürbar gestiegen sind. So erklärte zum Beispiel Lars Gerdau, Geschäftsführer der LandesWelle Thüringen: „Wir sehen das Ganze heute sehr viel differenzierter als vor einem Jahr: Zum einen ist es sehr teuer, viele Programme zu streamen und zum anderen haben wir auch nicht den Anspruch, immer die Ersten sein zu wollen. Wir haben Zeit und konzentrieren uns erst einmal auf UKW!“

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