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Pressemitteilungen


Aus der 2. Versammlung der 4. Amtsperiode

21.01.2004

Vielfältige Lokalfernsehlandschaft trotz wirtschaftlicher Probleme
Analyse der lokalen Fernsehprogramme in Thüringen vorgestellt

In der zweiten Sitzung ihrer neuen Amtszeit befasste sich die Versammlung mit der Entwicklung und der Situation des Lokalfernsehens in Thüringen. Grundlage war eine im November 2003 fertiggestellte TLM-Inhaltsanalyse „Lokales Fernsehen in Thüringen 2002“, in der die Programm- und Informationsleistungen der lokalen Fernsehsender im Hinblick auf die Einhaltung von Zulassungsanforderungen untersucht wurden. Die Ergebnisse sind im TLM-Internetangebot unter der Rubrik „Projekte/Inhaltsanalysen“ eingestellt.

Die Analyse bietet einen Überblick über die verschiedenen Sender und ihre Programmangebote und knüpft gleichzeitig an frühere Inhaltsanalysen (1999) und Akzeptanzuntersuchungen (2001) der TLM an. Ihre Ergebnisse zeigen, dass das Lokalfernsehen in Thüringen trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation einen festen Platz gefunden hat. Der Untersuchungszeitraum der Studie umfasste vier natürliche Wochen im November und Dezember 2002.

Breites Spektrum an Sendern und Angeboten

Die Studie belegt, dass in Thüringen nach wie vor eine vielfältige Lokalfernsehlandschaft mit einem breiten Angebotsspektrum existiert. Dabei ist die Situation nicht zuletzt durch einen ständigen Wandel bei Veranstaltern, Sendern und Programmen gekennzeichnet. Vor allem viele kleine und ganz kleine Lokalfernsehanbieter mit einer technischen Reichweite unter 5.000 und 1.000 Wohneinheiten haben ihren Sendebetrieb in den letzten Jahren eingestellt. Bei einigen größeren Veranstaltern führten wirtschaftliche oder technische Schwierigkeiten zu einer Rückgabe der Lizenz. 1999, als die TLM das Angebot der lokalen Fernsehprogramme zum ersten Mal einer systematischen Inhaltsanalyse unterzog, waren noch 29 lokale Fernsehprogramme in Thüringen zugelassen. Davon mussten 16 ihren Sendebetrieb zwischenzeitlich einstellen. Gleichzeitig kamen jedoch fünf Programme neu hinzu, so dass Thüringen derzeit 18 Lokal-TV-Programme hat.

Unterschiede im Programmvolumen und im Informationsangebot

Generell fällt auf, dass sich die großen Differenzen bei Programmkonzepten und
-profilen nicht allein mit der unterschiedlichen technischen Reichweite und dem Werbeaufkommen der Sender erklären lassen. Zwar nimmt mit steigender Reichweite tendenziell die Programm- und Informationsleistung zu, doch auch bei Sendern mit vergleichbarer Reichweite gibt es erhebliche Unterschiede im Programmvolumen und im Informationsangebot. Von den 18 untersuchten Sendern zeigten vier knapp eine Stunde originäres, sendereigenes Programm pro Woche. Drei kamen auf mehr als eine Stunde wöchentlich und bei den drei reichweitenstärksten Sendern waren es bis zu 4,5 Stunden.

Informative und unterhaltsame Programmgestaltung

Auch wenn in mehreren Fällen die von der TLM jeweils vorgegebenen Mindestsendezeiten (noch) nicht erreicht wurden, bieten die Sender ihren Zuschauern überwiegend ein informatives und unterhaltsames lokales Fernsehprogramm. Bis auf wenige Ausnahmen zeigten alle Sender im untersuchten Zeitraum regelmäßig lokalbezogene Informationen. Dabei deckten fast alle Programme ein breites, lokalbezogenes Themenspektrum ab und boten vielfältigen Akteuren – vor allem aus dem kulturellen und sozialen Bereich – ein Forum. Eine positive Entwicklung zeigte sich bei der journalistischen Aufbereitung der Themen sowie bei der Ge-staltung und der Präsentation. Die überwiegende Mehrzahl der Sender bemühte sich um eine professionelle und ansprechende Programmgestaltung.

TLM-Direktor Dr. Victor Henle wertete die Ergebnisse als eine Respekt gebietende Leistung der Thüringer Lokal-TV-Veranstalter. Ihnen gelinge es, in einem strukturell und konjunkturell äußerst schwierigen und dazu noch lokalen Umfeld immer wieder Rückschläge zu verkraften und das Gesamtangebot quantitativ weitgehend zu erhalten und qualitativ zu verbessern.

Hinweise:
Das Kategoriensystem der Analyse orientiert sich an den für die privaten Lokalfernsehveranstalter geltenden rundfunk- und lizenzrechtlichen Vorgaben. Diese sehen eine Mindestsendezeit für originäre, redaktionell gestaltete Sendungen vor, die zwischen 45 Minuten pro Tag und 60 Minuten pro Monat variiert. Daneben fördert die TLM die Sender- und Leitungskosten der Veranstalter, deren Gesamtsendezeit mindestens 90 Minuten pro Woche beträgt und die an mindestens drei Tagen pro Woche ein originäres Programm bieten.

RTL-Dschungelshow sehr bedenklich

Die Versammlung begrüßte die angekündigte Überprüfung der RTL-Realityshow „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ durch die Landesmedienanstalten. Die Mitglieder waren der einhelligen Auffassung, dass dieses Format eine sehr bedenkliche Entwicklung markiere. Es werfe die Frage auf, ob in einzelnen Teilen der Sendung trotz Einwilligung die Menschenwürde verletzt wird. Unabhängig davon bediene die Sendung niedere Instinkte wie Rachelust und Schadenfreude. Zwanzig Jahre nach dem Start des Privatfernsehens zeige sich, dass selbst ein so großes Unternehmen wie RTL nicht gewillt ist, sich der gesellschaftlichen Verantwortung zu stellen, die diese Stellung mit sich bringt und von dem Haupteigentümer Bertelsmann immer wieder betont wird. Im dualen Rundfunksystem seien vereinzelt aber auch die öffentlich-rechtlichen Sender nicht vor solchen Tendenzen gefeit, wie der letzte „Tatort“ erneut zeige.

Ereignisfernsehen in Meuselwitz zugelassen

In Meuselwitz bei Altenburg wird es im Februar und im April 2004 wieder Ereignisfernsehen geben. Der Antennenverein will im eigenen Kabelnetz über die lokalen Faschingsveranstaltungen und die Einweihung des Leichtathletikstadions berichten.

Der Meuselwitzer Antennenverein veranstaltet seit drei Jahren regelmäßig Ereignisfernsehen. Er nutzt diese Form des Bürgerrundfunks mit Abstand am häufigsten in Thüringen. Die TLM kann im Zusammenhang mit öffentlichen lokalen Veranstaltungen sowohl Ereignisfernsehen als auch -hörfunk für jeweils bis zu acht Wochen zulassen.

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