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„Wir müssen uns wieder verstärkt um Qualität bemühen“

27.10.2004

Studie zur Qualität im Radio vorgestellt

In einem Workshop diskutierten gestern Verantwortliche von privaten und öffentlich-rechtlichen Radiosendern mit Wissenschaftlern und Vertretern der Landesmedienanstalten über die Ergebnisse der Untersuchung der Medienwissenschaftler Prof. Gerhard Vowe und Dr. Jens Wolling (TU Ilmenau) zur „Radioqualität – Was die Hörer wollen und die Sender bieten“, die im Auftrag der Landesmedienanstalten von Hessen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erstellt wurde.

Untersucht wurden die Qualitätsmerkmale (im Sinne von Eigenschaften) von Radioprogrammen in Hessen, Sachsen-Anhalt und Thüringen und deren Qualitätsbewertung durch die Hörer. Die gewonnenen Erkenntnisse eröffnen eine neue Sicht auf das Radiohören. Sie räumen mit der Vorstellung auf, die meisten Radiohörer wüssten gar nicht, was sie hören und nähmen Unterschiede im Angebot kaum wahr. Die Verknüpfung der Hörerbefragung mit der Inhaltsanalyse der Programme zeigt, dass die Radiohörer viel genauer hinhören, als allgemein vermutet wird. Sie sehen die Qualität nicht in der immer stärkeren Betonung einzelner Eigenschaften eines Senders, sondern in dem gelungenen Ausgleich zwischen unterschiedlichen Eigenschaftserwartungen.

Prof. Joachim Trebbe (Uni Freiburg/Schweiz) hob nicht nur die wissenschaftliche Leistung der Autoren hervor, eine Grundlagenstudie mit angewandter Programmevaluation zu verbinden, er stimmte auch der Feststellung des „Radiohörens als Ergebnis einer Vernunftshandlung“ zu.

In der Diskussion bestand Einigkeit, dass gute Musik allein kein erfolgreiches Radioprogramm ausmacht: „Wir spielen alle die gleiche Musik. Unterschiede muss es im Wortprogramm geben, das letztlich darüber entscheidet, welches Radioprogramm gehört wird“ meinte dazu Hans-Jürgen Kratz, Geschäftsführer der Antenne Thüringen und VPRT-Vizepräsident. Es herrsche bereits das Bemühen um stärkere Eigenschaftsprofile, um eine bessere Wahrnehmung beim Hörer zu erzielen. Die Studie bescheinige ihm die Fähigkeit, Sender zu unterscheiden und auch als Nebenbeihörer noch aktiver Hörer zu sein. Insofern nütze sie den Radiomachern, ihr Programm besser an den Erwartungen der Hörer auszurichten.

Beklagt wurde, die Macher in Deutschland hätten zu wenig Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten. Allerdings gäbe es derzeit auch nicht genügend Leute, die etwas zu sagen hätten und in der Lage seien, ihre Hörer über mehrere Stunden auf hohem Niveau zu binden. Wegen der engen Formate und der großen Vorsicht der Programmmacher hätten sich die Talente in den letzten Jahren kaum entwickeln können. Stärker betont werden müsse auch die emotionale Qualität des Radios. Als Kino im Kopf funktioniere Radio vor allem über Emotionen. Dabei gehe es um Authentizität und nicht um Marketing. „Aus Moderatoren müssen wieder Menschen werden“ so Helmut Lehnert, Programmchef von radio EINS (RBB).

Professor Wolfgang Thaenert, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, erklärte, die differenzierten Erkenntnisse über die Erwartungen der Hörer könnten künftig auch in Zulassungsverfahren eine Rolle spielen. Er gab zu bedenken, ob es sinnvoll sei, auf Dauer an der genauen Unterscheidung von Vollprogramm und Spartenprogramm festzuhalten. Er stellt sich die Frage, inwiefern private Vollprogramme einen Bildungsauftrag zu erfüllen hätten, wie das in vielen Rundfunkgesetzen noch geregelt sei. Dieser Überlegung trat Dr. Victor Henle, Direktor der TLM, mit dem Hinweis bei, wichtiger sei der Informationsauftrag. Werde er gut wahrgenommen, diene er auch indirekt der Bildung.


Hinweis
Die Studie von Prof. Gerhard Vowe und Dr. Jens Wolling ist unter dem Titel „Radioqualität – Was die Hörer wollen und was die Sender bieten“ als Band 17 der TLM-Schriftenreihe im KoPäd-Verlag München erschienen. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse ist dieser Pressemitteilung als Anlage beigefügt.

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