Radio 2020 - Thesen
DR. GERD BAUER, Direktor der Landesmedienanstalt Saarland (LMS) |
DIPL.- ING. MATHIAS BUß, Architekt, Journalist & Maler Trotzdem: Alles wird überall empfangbar sein. Statt DAB- oder UKW-Digitalradio wird aus meiner heutigen Sicht das multifunktionale Handy, als Empfangsgerät, Speichermedium und interaktives Kommunikationsmittel, das Radio der Zukunft sein. Über den Internetzugang werden alle Radiostationen überall empfangbar sein. Die Frage der Frequenzregulierung – ob lokal, regional oder landesübergreifend – wird sich so nicht mehr stellen. |
FRANK FELIX DEBATIN, 1000Mikes AG in Hamburg 2. Die Distributionstechnologien des Radios 2020 sind UKW sowie stationäres und mobiles Internet. 3. Im Internet entstehen viele neue Formate: das Radio 2020 wird interaktiv, sozial und nicht-linear. Nicht-linear bedeutet viel mehr als nur "ondemand", sondern generell die Ablösung des 24-Stunden-Streams als prägendem Organisationsschema, zum Beispiel durch thematisch vernetzte Eventradios. |
JOCHEN FASCO, TLM-Direktor 1. Hörfunk ist ein wichtiges Mittel der Massenkommunikation – für jede Alters- und Gesellschaftsgruppe. Er nutzt viele verschiedene Wege, um seine Zielgruppen zu erreichen
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| LARS GERDAU, Geschäftsführer LandesWelle Thüringen GmbH & Co. KG 1. Radio 2020 wird viele Distributionswege haben - vor allem aber UKW und das Internet. 2. Radio 2020 bietet eine sehr große Sendervielfalt - starke und langjährig etablierte Radiomarken werden weiterhin im Hörermarkt erfolgreich sein. 3. Radio 2020 bedeutet für die landesweiten Radiosender, noch stärker auf regionale Themen zu setzen, um sich von nationalen und internationalen Programmen zu unterscheiden. |
| HANS J. KLEINSTEUBER, Universität Hamburg 1. Die Zukunft des Radios wird digital sein, aber gänzlich anders, als es DAB-Befürworter entwerfen. 2. Die Zukunft des Radios wird vielfältiger und bunter sein, als alles, was wir uns derzeit vorstellen. 3. Die Zukunft des Radios in Konkurrenz zu anderen Audio-Angeboten ist dann gesichert, wenn zivilgesellschaftliche Akteure sich in der ganzen Breite entfalten können. |
| STEFFEN KOTTKAMP, Geschäftsführer KI.KA Erfurt 1. Kinderradio ist genau so wichtig und richtig wie Kinderfernsehen. 2. Die Möglichkeiten digitaler Verbreitungswege werden Radio und Fernsehen näher zueinander führen. 3. Mehr noch als im Fernsehen wird sich zukünftig jeder Hörer sein Programm selbst zusammenstellen und zeitsouverän auswählen. Das bedeutet weniger 'mainstream' und mehr 'special interest'. |
LUTZ KUCKUCK, Radiozentrale Berlin 2. Die Radionutzung von Kindern ist durchschnittlich geringer als die der Erwachsenen, da die Kids in der Schule und bei Freizeitaktivitäten außer Haus kaum Radio hören können. Am Wochenende hingegen steigt die mit Radio verbrachte Zeit signifikant. Die Kinder-Reichweite liegt aber auch generell in Märkten wie Berlin deutlich höher, in denen es spezielle Angebote für Kinder über Antenne gibt. Um die Hörer von morgen frühzeitig an unser Medium heranzuführen, sind eigene Kinderformate über Webchannels hinaus hilfreich. Dies muss selbstverständlich unter dem Blickwinkel der Finanzierbarkeit auch in weniger wettbewerbsintensiven Märkten geprüft werden. Aber gerade hier ist auch der Gesetzgeber gefragt, die Möglichkeiten z.B. für Programmfamilien oder bundesweite Lizenzen weiter zu öffnen. 3. Nicht nur die speziellen Programmformate, auch die Freude am eigenen Gestalten führt zur langfristigen Bindung der Kinder und Jugendlichen ans Radio. Im Klartext: Die Förderung von Radio-Projektwochen und Schülerradios ist ein unerlässlicher Baustein auf dem Weg zur Zukunftsförderung. Und nie konnte Radio so einfach erlebbar gemacht werden: Dank Podcasting, den neuen Webradio-Wegen und der zunehmend zum PC-Standard gehörenden Mikros und Schnittsoftware sind selbstproduzierte Radioprogramme unkompliziert erstell- und ausstrahlbar. Und in zentralen Web-Plattformen und speziellen Schülerradio-Communities könnten Radioexperten Tipps geben, die jungen Radiomacher untereinander diskutieren und Programmbausteine etc. austauschen. |
THOMAS KUPFER, Community Media Forum Europe, Halle/Saale 2. Die Regulationshoheit der Bundesländer wird durch die Realität der Medienverbreitung und -nutzung in Frage gestellt. Auf die Agenda gehören einerseits neue nichtkommerzielle lokale/regionale Angebote, andererseits neue bundesweite Programme – einschließlich eines oder mehrerer freier Radios, das Mantelprogramm-Elemente für nichtkommerzielle Lokalradios in überregionalen, online-vermittelten Redaktionsstrukturen produziert. 3. Die Digitalisierung des Radios vollzieht sich jenseits der politischen Rahmenregulation schon längst: im Internet. Die digitale Zukunft des Radios liegt vor allem in Kopplungen von ON AIR und OnLine, in der Verbindung von Geschwindigkeit, Mobilität, Gespräch, Interaktion und Partizipation: Radio wird durch Web-Applikationen wieder verstärkt zum publizistischen Medium. Die lange Zeit politisch favorisierten digitalen Plattformen, insbesondere DAB/DAB+, sind für die Zukunft des Radios nicht von Bedeutung. |
| KATJA RÖCKEL, Medienpädagogin 1) Wenn Kinder selbst als RadiomacherInnen aktiv werden, lernen sie mehr über den Hintergrund von Medien als beim Radio hören. 2) Spezielle Kinderradioprogramme, die in der redaktionellen Verantwortung von Erwachsenen stehen, erreichen nur einen kleinen Anteil von jungen HörerInnen. 3) Radio ist nur EIN Mittel, mit dem sich Kinder und Jugendliche ausdrücken können und wollen. Aus medienpädagogischer Sicht ist es wichtig sich aktuell und perspektivisch mit weiteren Ausdrucksformen und Medien auseinanderzusetzen. |
THOMAS RÖHLINGER, Radijojo World Children's Radio Network, Berlin Wollen wir, dass die Kinder in Thüringen, Deutschland und Europa durch das Radio der Zukunft besser lernen, mehr mitbestimmen, sich leichter integrieren und weltweit vernetzen können? Oder wollen wir, dass skrupellose Medienheuschrecken aus dem In- und Ausland das Interesse der Kinder an Medien für ihren einzigen Existenz-Grund ausnutzen: für Profit, Profit und nochmals Profit, auch auf Kosten der Schwächsten: der Kinder? Wollen wir unsere Kinder wirklich Unternehmen ausliefern, die - ganz formal gesprochen - weder einen satzungsgemäßen Bildungsauftrag haben noch gemeinnützig organisiert noch anerkannte Träger der Jugendhilfe sind, also eine ganz offensichtlich gesellschaftsschädigende Rolle spielen? Wir sagen: NEIN. Die Zukunft unserer Kinder ist dafür viel zu kostbar. Wir rufen die Regierungen und Landesmedienanstalten, alle gesellschaftlichen Gruppen, Parteien und Organisationen in Thüringen und bundesweit auf, diese Initiativen massiv zu stärken und ihre Arbeit finanziell und gesetzlich nachhaltig abzusichern - und zwar auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene. Das geben die Landesmediengesetze nicht her? Mut zur Veränderung! Wir appellieren an alle verantwortungsbewussten Menschen, an Eltern, Lehrer und Politiker, an Kirchen, Gewerkschaften, Universitäten und soziale Einrichtungen: Verhindern wir gemeinsam verhindern, dass das Kinder-Medienland Thüringen zum Kinder-Kommerzland verkommt! Helfen wir den Kindern unserer Heimat, ihre Welt auch durch die Nutzung neuer Medien so zu gestalten, dass sie gern darin leben! Für ein wirkliches Kindermedienland Thüringen, frei von Profitgier als "Kindermedien" getarnter Reklame- und Kommerz- Maschinerien! Für eine blühende, kreative und partizpative Kinderradiolandschaft 2020! |
DR. PHIL. WOLFGANG SCHILL, Medienpädagoge und Experte für Kinderradio Kinder wachsen in unserem Lande heute wie selbstverständlich mit vielen technischen Medien der Kommunikation auf. Dabei spielen die auditiven Medien (von lat. audire: hören) in ihrem Medienalltag eine mehr oder weniger bedeutsame Rolle. Hörmedien wie Hörspielkassette und -CD oder Hörbuch und Radio, Walkman, MP3-Spieler oder das Multi-Medium Mobiltelefon weben sich „nebenbei“ und vielfach unsichtbar in die tägliche Mediennutzung der Heranwachsenden ein. Für viele Kinder sind Hörspiel-CD/-Kassette und Musik-CD/-Kassette, die nicht selten Bestandteil eines Medienverbunds von Buch, Film oder Fernsehsendung sind, auch die ersten eigenen Medien, die sie so nutzen können, wie sie es wollen und brauchen. Vor allem, um sich angenehme Hörerlebnisse und gute Gefühle durch Hör-Spaß, -Spannung und -Unterhaltung zu verschaffen. Dabei scheinen Kinder genau zu wissen, welche Hör-Bausteine am besten zu welcher Stimmungslage und zu welchem Lebensthema passen, das sie gerade beschäftigt. Zu solchen Selbsterfahrungen, die Heranwachsende mit auditiven Medien machen können, kommen Sozialerfahrungen hinzu. Beispielsweise erweist sich für manche Kinder inzwischen das „Handy“ als ihr Medium Nr. 1, auch wenn gleichzeitig Fernsehen, Computer und Internet, MP3-Spieler und Radio eine wichtige Rolle in ihrem Medienalltag spielen. Gut die Hälfte der 6- bis 13-Jährigen verfügte im Jahre 2008 über ein Mobiltelefon, das sich heute sowohl als „Fern-Sprecher“, wie auch vielfach als Multimediagerät zeigt, mit dem sich Texte schreiben und empfangen, Bilder machen und verschicken lassen, aber auch Radio gehört werden kann. So bietet ihnen der Mobilfunk, bei dem sich im Sinne von Medienkonvergenz verschiedene inhaltliche und technische Aspekte gleichsam schon in Kinderhand vereinen, die Möglichkeit, nicht nur „in der Welt“, „im Bild“, mobil und für andere erreichbar zu sein, sondern bei den Gleichaltrigen auch mitreden zu können und im Gespräch mit anderen zu bleiben. |










